Die SRG - ein Schweizer Qualitätsprodukt
- Michael Ruefer
- vor 2 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Der SRG droht am 8. März der Kahlschlag. Wird die Halbierungsinitiative angenommen, werden ab sofort zahlreiche Formate eingestellt, Leute entlassen und ganze Sender für bestimmte Sprachregionen eingestellt. Schon heute erlebt die SRG Jahr um Jahr ein neues Sprachprogramm, Korrespondentenstellen werden abgebaut, mehr Praktikumsstellen statt Festanstellungen geschaffen, News-Formate bis zur Unkenntlichkeit eingedampft, Studiostandorte stark zurückgestuft. Die Verankerung in den Regionen steht auf dem Prüfstein
SRG steht für Qualität, wo andere nur noch Klicks wollen
Das ist ein ziemlich schlechter Deal für eine Einsparung von 100 Franken pro Jahr. Denn die Bezahlvarianten (siehe Netflix) bieten meist nur einen Bruchteil des Inhalts der SRG-Sender und sind im Gegensatz zur grösstenteils unabhängigen SRG überhaupt viel stärker von den Interessen der Kapitalgeber beeinflusst und ihnen auf Gedeih und Verderb ausgesetzt. Gibt es was Vertrauenserweckenderes als ein "Echo der Zeit", eine "Tagesschau" oder "Schweiz aktuell"? Denn das Infoangebot ist viel stärker interessengesteuert, man berichtet darüber, was für Schlagzeilen sorgt und "Traffic" generiert, lässt sich durch Algorithmen in seiner Berichterstattung fremdbestimmen. Und konsumiert am Ende nur noch, was einem ohnehin gefällt. Das ist fatal. Der Gedanke der Relevanz, der im Journalismus so entscheidend ist für Qualität und Verlässlichkeit, kommt komplett abhanden. Medienberichterstattung, die Skandal über Qualität und Relevanz stellt, driftet ins Abartige ab. Informiertheit kann nicht mehr vorausgesetzt werden.
Keine Berichterstattung mehr vor Ort
Seit nunmehr 15 Jahren findet in der Schweiz ein regelrechtes Mediensterben statt. Zeitungen bauen ihre lokale Redaktion ab, Tamedia entlässt Jahr für Jahr Mitarbeitende, CHMedia, Ringier und die NZZ geben zwar Zeitungen und Plattformen mit verschiedenen Namen heraus, doch inhaltlich gibt es kaum mehr regionale Unterschiede. In der Westschweiz hält die TXGroup beinahe 80% Marktanteil an privaten Medien. Wettbewerb, Ideen- und Meinungswettbewerb kann so nicht mehr stattfinden. Denn seit die wichtigsten Medienhäuser davon abgekommen sind, den Journalismus mit Anzeigen quersubventionieren, hat ein "Race to the bottom" eingesetzt. Zunächst mit Gratismedien, die nach und nach zumindest im Print alle eingestellt werden. Danach mit einem Wechsel zu immer mehr Paid Content, was zwar verständlich ist, aber zu spät kam. Die Zahlungsbereitschaft der Kunden, gerade für Inhalte, die sich regional nicht mehr unterschieden, ist ins Bodenlose gesunken. Die Rechnung geht nicht mehr auf. Dem klassischen Journalismus werden Jahr um Jahr Mittel entzogen. Die grossen Medienhäuser berichten fast ausschliesslich noch aus den grossen Städten und haben kaum mehr eine vielstimmige Perspektive auf unser Land. Die SRG hingegen ist mit ihren Programmen in allen Landesteilen und Regionen in vier Landessprachen präsent und vermittelt so ein komplettes Bild der Schweiz.
Die Deregulierung des Wahrheitsmarkts
Verschärft wird die Ausdünnung der Berichterstattung noch durch eine andere Entwicklung, die mit dem Aufkommen von SoMe und dem Wegbrechen der traditionellen Medien eingesetzt hat. Ich persönlich kann mich noch lebhaft erinnern, wie unser Professor an der Uni Bern in der Marketingvorlesung die "sozialen Medien" gepriesen hat: "Das ist doch fantastisch, jeder kann sich äussern, kann was posten, kann sich in die Debatte einbringen." Ich musste damals eine Umfrage als Zusatzleistungsnachweis bei meinen Komiliton*innen durchführen und untersuchen, wie sie Facebook nutzen, wie sie Facebook betrachten und was es mit ihnen macht. Das Fazit war damals - 2010 - schon sehr gemischt: Suchtverhalten wurde genannt, "Scheinfreundschaften", Dopamin-Effekt und nachhaltige Leere, wenn man sich zu viel damit umgibt. Ein ungebremster Enthusiasmus, wie ihn der Professor versprühte, klang anders. Nun 16 Jahre später sehen wir, dass die Befürchtungen nicht unbegründet waren. Dass Social Media etwas "Soziales" hervorbringen, würde wohl niemand mehr ernsthaft behaupten. Mehr noch: Es fällt zunehmend schwer, Virtuelles von unserer gelebten Wirklichkeit zu unterscheiden. Wahr ist, was am hellsten schillert. Konfrontative Inhalte, wenig Interesse am Gegenüber und "Niederschreien" dominieren heute. Man begibt sich unversehens in eine Abwärtsschleife.
In dieser Welt macht die SRG - ganz unaufgeregt - vieles richtig: Schreit nicht, sondern schaut hin, spricht mit Betroffenen statt über Betroffene und schafft so Verbindung, ganz nach dem Credo: Die Wahrheit beginnt zu zweit.
Infos zur Kampagne "Nein zur Halbierungsinitiative"







Kommentare